~Der Adler ist mein Wappentier und er wird poetisch auch "Aar" genannt! Aar - Beratung und alternative Problemlösung
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Möge das "Licht" der Erkenntnis all jene erreichen, die ernsthaft danach streben!

_________________________ WIENER März 1990__________________ Seite 92

Sie werden jetzt sehr, sehr müde - Ihre Gliedmaßen werden immer schwerer - Ihre Augen bleiben offen - Sie lesen aufmerksam diesen Artikel, bis zum Schluss ...
Okkult-Shops bieten hochwirksame Suggestivtexte zur Selbsthilfe per Tonbandkassette" an, Wochenendseminare zum Thema „Hypnose" sind ausverkauft, und eine Zeitschrift namens PSl-Magazin weiß gar zu vermelden, dass Hypnose Tumore zum Verschwinden bringen kann. Im Zeitalter des Wassermanns" haben Psychotherapien, also auch suggestiv hypnotische, Hochkonjunktur.

DIE FRÜHGESCHICHTE DER HYPNOSE Bereits in den Keilschriften der Sumerer, in Sanskriturkunden der Inder und auf Papyri der Ägypter ist von Hypnose und Heilschlaf die Rede. Bis zur Inquisition, als Hypnotiseure plötzlich als Verbündete des Teufels galten, übernahmen zahlreiche Kulturen diese jahrtausendealte Technik. Franz Anton Mesmer (1734-1815), der sich mit dem „Magnetismus animalis" (Tiermagnetismus = Heilung durch magnetische Strahlen) befasste, kann als Urvater der modernen Hypnose gelten. Er behauptete, dass ein „Fluidum" vom Heiler ausgehe, der mittels Streichbewegungen („Mesmerschen Strichen") den „Magnetismus" auf den Kranken übertragen könne. Seine Heilerfolge brachten ihm zahlreiche Feinde in der Ärzteschaft ein, und 1784 beschloss eine französische Ärztekommission, den „Mesmerismus" zu untersagen. In anderen Ländern wurde jedoch weitergeforscht. Abbé Faria (1755-1819) in Paris gab schließlich den Anstoß zur heutigen Suggestionslehre. Er stellte fest, dass nicht das Fluidum, sondern die Suggestion den hypnotischen Zustand erzeugte, und nannte den hypnotischen Schlaf „Concentration". Erst James Braid, ein englischer Augenarzt, entwickelte im Jahre 1841 den Begriff „Hypnose" (aus dem griech.: hypnos = Schlaf). 1886 schrieb ein gewisser Professor Hypolyte Bernheim ein einflussreiches Werk über die Suggestion und ihre Anwendung. Er gründete, gemeinsam mit dem Pariser Arzt A. A. Lidbéault, die „Schule von Nancy" und setzte damit den Beginn der wissenschaftlichen Anwendung der Hypnose. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, war einer seiner Schüler.

LEBENSHILFE steht auf den Kleinanzeigen, die Gerhard Rudolph in einschlägigen Magazinen aufgibt, und  „Bewusstmachung und Befreiung von Leiden und Problemen mit esoterischen Methoden". Der „Metapsychiker und Parapsychologe" logiert in einer geräumigen Wohnung im vierten Wiener Gemeindebezirk. Es riecht nach Räucherstäbchen. An den Wänden von Rudolphs „Sprechzimmer" hängen symbolbeladene Bilder und ein nach oben zeigendes Pentagramm (das Zeichen für Weiße-Magie). Der freundliche Brillenträger mit dem zu­rückweichenden Haaransatz steckt gleich zu Anfang seinen Tätigkeitsbereich ab: „Ich helfe Menschen, die Probleme haben, durch Übertragung von Energie, esoterische Analyse und Hypnose". Letztere kann man verschieden einsetzen, fährt Rudolph fort. „Entweder man forscht in der Vergangenheit des betreffenden Menschen und macht ihm alte Probleme und Programme bewusst, und/oder man verwendet positive Suggestionen, um Probleme zu überwinden.  Und was sind das nun für Probleme?      „Ich setze Hypnose zur Raucherentwöhnung, zur Gewichtsabnahme, bei psychischen Mängeln wie Depressionen, bei Heilungsprozessen und psychosomatischen Krankheiten ein", antwortet Rudolph. „Außerdem kann ich jemanden damit bis in den Mutterleib und darüber hinaus - in frühere leben - zurückführen. Die Voraussetzung dafür ist Suggestibilität, also, dass man in einen Trancezustand gelangen kann." (Siehe Kasten: Was Hypnose kann/nicht kann, Seite 97)

TRANCE Etwa 90 Prozent aller Menschen sind hypnotisierbar. Man kann jemanden in Trance versetzen, wenn man ihn dazu bringt, seinen Blick auf einen fixen Punkt oder einen bewegten Gegenstand (z. B. ein Pendel) zu richten, verbale Suggestionen anwendet („Sie fühlen sich schwer und müde.") oder mit der „Faszinations-Methode" arbeitet (=Augenkontakt). Die verschiedenen Stadien der Trance sind: Eine leichte Beeinträchtigung der Wahrnehmung, äußere Reize treten zurück; der der Lidschluss: Die Augen fallen zu und sind kaum noch aufzubringen. Müdigkeit und Schwere nehmen zu, man ist nur mit großer Anstrengung bewegungsfähig; das „Vergessen" des Körpers (der Hypnotiseur suggeriert, dass die Hand so leicht wird, dass sie nach oben schwebt); die kataleptische Starre - eine so starke Muskelanspannung wird befohlen, dass der Hypnotisierte, nur auf Fersen und Nacken aufliegend, zwischen zwei Stühlen liegen kann; die Schmerzlosigkeit (Nadeltest, Fakire erreichen diesen Zustand durch Autosuggestion) und schließlich die Somnambulenz oder Tieftrance - ein totales Wegtreten des Bewusstseins (nur etwa 10 Prozent geraten so tief in Trance). Gerhard Rudolph erlebte seine „Initiation" ins Reich der Esoterik mit 14 Jahren, als er Visionen über seine Zukunft hatte. Er begann sich mit Yoga, Parapsychologie, Meditation Ähnlichem zu beschäftigen und rettete mit seiner ersten Hypnose, als er 20 war, einer Frau, die einen hysterischen Krampfhustenanfall hatte, das Leben. „Die Hypnose gibt's seit Tausenden von Jahren", meint er überzeugt (sh. Kasten: Die Frühgeschichte der Hypnose), „es gibt objektivierbare Phänomene und kontrollierbare Stadien. Also ist es höchste Zeit, dass auch unsere materialistisch orientierten Wissenschaften sich ernsthaft mit ihr beschäftigen.

H Y P N O S E ____________ WIENER März 1990___________________ Seite 97

WAS HYPNOSE KANN / WAS HYPNOSE NICHT KANN

Hypnose kann... helfen, wenn Sie sich das Rauchen abgewöhnen wollen; Schmerz bei Operationen, Zahnbehandlungen und Geburten beseitigen; den Heilungsverlauf nach Operationen beschleunigen; Prüfungsangst und Lampenfieber nehmen; den Busen vergrößern; Migräne beseitigen; bei Schlafstörungen und beim Abnehmen helfen; bei Astronauten gegen Raumkrankheit eingesetzt werden; sportliche Leistungen steigern.
Hypnose kann nicht... jemanden dazu bringen, etwas zu tun, was ihm widerspricht; posthypnotische Befehle durchsetzen, die dem Moralempfinden des Hypnotisierten widersprechen; organisch bedingte Krankheiten heilen; ewig anhalten, selbst wenn der Hypnotiseur während der Sitzung sterben sollte - sie geht einfach in normalen Schlaf über, und man erwacht wieder, wenn man ausgeschlafen ist.

SELBSTVERSUCH Zum Abschluss meiner Recherchen statte ich Gerhard Rudolph einen zweiten Besuch ab: Er soll mich hypnotisieren. Zuerst muss ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich aus eigenem freien Willen hier bin und medizinische Maßnahmen nicht vernachlässigt habe. Wir stehen einander ganz nahe gegenüber, und ich soll eines seiner Augen fixieren. Der Hypnotiseur hält seine Hände links und rechts von meinem Kopf. Er wiederholt mit lauter, autoritärer Stimme (eine „Papa-Hypnose", wie er mir später erklärt - im Gegensatz zur sanften, einlullenden „Mama-Hypnose"), dass ich immer müder und schwerer werde, dass meine Füße müde und schwer sind, jetzt meine Beine, jetzt mein Becken, dass mir die Augen zufallen. Anfangs habe ich das Gefühl, dass es überhaupt nicht wirkt. Ich rieche nur Rudolphs Mittagessen in seinem Atem, höre genau, wenn er schlucken muss, bin überhaupt nicht entspannt. Dann beschließe ich, mitzuspielen - wozu bin ich denn sonst hier?! Ich merke, wie ich tatsächlich immer müder werde, und als auch mein Kopf endlich müde und schwer ist, darf ich mich setzen. Nun wird mir suggeriert, dass mein linker Arm immer leichter wird. Nach ein oder zwei Minuten merke ich, wie er sich von der Sessellehne löst, nach oben schwebt. Ich versuche, ihn aufzuhalten, aber es geht nicht.  Mein Bewusstsein ist nach wie vor voll da. Rudolph drückt meinen Arm ganz fest nach unten - aber der verändert seinen Winkel keinen Millimeter, statt dessen geht mein ganzer Oberkörper mit der Bewegung mit. Die beschwörende Stimme sagt mir, dass ich alles vergessen solle, was ich unter Hypnose gehört habe. Dann kommt auch ein posthypnotischer Befehl: Ich werde das Wort „hellwach!" hören, meine Augen öffnen, aber nicht aufstehen können. Als Rudolph das Wort sagt, bin ich wieder da und kann mich tatsächlich erst beim zweiten Versuch mühsam vom Sessel erheben. Vergessen habe ich zwar nichts - schließlich bin ich als Journalist da, und nicht zum Vergnügen - aber dennoch wirkte der Versuch überzeugend.
Auf dem Heimweg denke ich darüber nach, ob es stimmt, was viele Mystiker und Esoteriker sagen: Dass die menschliche Rasse schläft, in einem Zustand hypnotischer Trance lebt. Ich sehe überall knallbunte, freundliche, erregende Werbeplakate. Als ich in ein Kaufhaus gehe, ertönt rund um mich beruhigende, schmeichelnde Musik, und das Publikum kauft, mit fröhlichen Gesichtern ...
Sie lesen diesen Artikel weiter, bis Sie auf das Wort „Schnipp" stoßen. Dann werden Sie mit einem Schlag wach, gehen in die Trafik und kaufen zehn weitere Ausgaben dieser Illustrierten. SCHNIPP